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| DIE GESCHICHTE DES BJJ |
Die Entstehung
1914 kam ein japanischer Jiu-Jitsu Kämpfer namens Esai Maeda nach Brasilien. Gastao Gracie half Maeda, sich in diesem für ihn fremden Land zurecht zu finden und sich wohl zu fühlen. Um seine Dankbarkeit zu zeigen, unterrichtete Maeda, auch bekannt als "Count Koma", den ältesten Sohn von Gastao, Carlos Gracie.
Der jüngste Sohn von Gastao, Helio, war als Kind so schwach, dass ihm die Ärzte von jeglicher physischer Betätigung abrieten. Es war ihm deshalb untersagt, bei dem von Carlos geleiteten Jiu-Jitsu Unterricht mitzutrainieren. Er musste sich die nächsten paar Jahre mit dem Beobachten der Trainings zufrieden geben.
Eines Tages, als Helio 16 Jahre alt war, kam ein Schüler für eine Privat Stunde. Carlos war jedoch nirgends auffindbar. Helio, der sich alle Bewegungen und Anweisungen des älteren Bruders gemerkt hatte, offerierte, die Klasse zu unterrichten. Als das Training vorbei war, tauchte Carlos auf und entschuldigte sich für seine Verspätung. Der Schüler meinte nur, "kein Problem, mir hat die Lektion mit Helio sehr gut gefallen. Wenn es dir nichts ausmacht, werde ich weiterhin bei ihm trainieren." Carlos war einverstanden und so wurde Helio ein Instruktor
Helio hatte jedoch Mühe alle Techniken, die er von Carlos gesehen hatte, anzuwenden. Er begann zu experimentieren und die Bewegungen auf seinen schwachen Körper zuzuschneidern. Bei unzähligen Techniken verbesserte er den Einsatz der Hebelkräfte so, dass sie auch von schwächeren Personen wirkungsvoller (für die Verteidigung) einsetzbar wurden.
Durch die Modifikationen wagte es Helio, sich vom traditionellen japanischen Jiu-Jitsu loszureissen – das Gracie Jiu-Jitsu war geboren.
Helio folgte dann schnell seinen Brüdern in die Welt der regellosen Herausforderungskämpfe, "Vale Tudo" genannt. So forderten Helio und Carlos zahlreiche Kampfkunst Champions zu Kämpfen heraus, gleichgültig was für ein Stil, wie schwer, wie gross oder muskulös die Gegner auch waren. Die Gracies formulierten ausserdem in einer brasilianischen Zeitung eine offene Herausforderung an alle Kampfkünstler. Es ging sogar so weit, dass die Box Ikonen Primo Carnera und Ezzard Charles, sowie der amtierende Schwergewichts-Weltmeister, Joe Louis, herausgefordert wurden. Diese lehnten es jedoch ab, sich mit den brasilianischen Champions zu messen.
Der Durchbruch
Rorion Gracie, ein Sohn von Helio, zog 1978 in die USA um dort den Kampfstil seiner Familie zu unterrichten und populärer zu machen. Ihm und dem Brazilian Jiu-Jitsu wurden jedoch keine Aufmerksamkeit geschenkt.
Rorion beschloss darauf, ein Turnier zu organisieren, welches der Welt zeigen sollte, welcher Kampfstil am besten für die Selbstverteidigung geeignet sei. Er lud hochqualifizierte Vertreter verschiedener Kampfsportarten ein, gegeneinander in nahezu regellosen Kämpfen anzutreten. Um das Resultat nicht zu beeinflussen, gab es keine Gewichtsklassen, keine Zeitlimiten und die Schiedsrichterinterventionen wurden auf ein notwendiges Minimum beschränkt. Es sollten also möglichst neutrale Bedingungen herrschen, niemand sollte durch irgendwelche Regeln bevor - oder benachteiligt werden ähnlich, wie dies auch in einem "realen" Kampf auf der Strasse der Fall wäre.
Royce Gracie, ein Bruder von Rorion, wurde als Repräsentant fürs BJJ ausgewählt. Die Wahl traf auf ihn, weil er NICHT der kräftigste und schwerste Kämpfer der Familie war. Man wollte offensichtlich zeigen, dass man durch die Anwendung von BJJ Techniken gerade auch schwerere und grössere Gegner besiegen konnte.
1993 konnte Rorion zum ersten Mal ein Turnier dieser Art organisieren: die ersten Ultimate Fighting Championships (UFC) waren geboren und finden seither regelmässig in den USA statt. Boxer, Karate- und Kung Fu Meister, ja sogar ein Sumoringer, kamen 1993 um ihren Stil zu vertreten. Doch an Royce Gracie kam keiner vorbei. Der Brasilianer schockierte die Kampfsportwelt, indem er seine Gegner mit Leichtigkeit durch überlegene Technik und Strategie besiegte und das erst noch binnen kürzester Zeit! Er bezwang seine Kontrahenten immer nach dem gleichen System: Distanz zum Gegner schliessen, im Nahkampf (Clinch) den Takedown suchen, um den Kontrahenten dann auf dem Boden zu besiegen. Die Gegner hatten keine Ahnung, wie sie sich am Boden zu verteidigen hatten. Sie waren überfordert und nicht auf diese Situation vorbereitet, denn die meisten Kampfsportarten lehren nicht, wie man sich am Boden verhält. Aber Royce war durch das BJJ-Training ein Spezialist im Bodenkampf und konnte so mit Leichtigkeit angesehene Kampfkünstler, die plötzlich hilflos und verloren wirkten, besiegen.
Nach dem ersten Turnier kannte jeder Kämpfer die Strategie von Royce! Jeder wollte nun den dünnen Brasilianer besiegen. Aber obwohl die Gegner wussten, was sein Plan war, konnten sie nichts gegen ihn ausrichten. Immer wieder gelang es Royce, sie auf den Boden zu bringen, wo sein Kampfstil dem ihren überlegen war. Royce gewann das zweite UFC Turnier und konnte erneut als strahlender Sieger gefeiert werden. Spätestens danach stellte die Kampfkunstwelt die Effektivität des BJJ nicht mehr in Frage.
Auch Patrick Smith, ein brandgefährlicher amerikanischer Thaiboxer, der schon Andy Hug durch KO besiegte, musste nach der Finalniederlage gegen den physisch schwächeren Royce Gracie zugeben: "If you can't fight on the ground... you can't fight!"
Es wurde nun allgemein anerkannt, dass nicht nur die Fähigkeit des Standkampfes, einen guten Fighter ausmacht. Ein moderner Kämpfer sollte vielmehr auch wissen, wie er sich am Boden zu verhalten hat. Dorthin führen nämlich die meisten Auseinandersetzungen, die nicht von einem Schiedsrichter unterbrochen werden. Der Bodenkampf, die Spezialität des Brazilian Jiu-Jitsu, erlebte somit einen riesigen Boom und wurde zum Thema aller Kampfkünstler.
Durch die rasant steigende Popularität des BJJ wurden nun auch vermehrt Sport BJJ Turniere organisiert. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des BJJ setzte 1996 die erste BJJ Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro. Seither finden auf der ganzen Welt regionale, nationale und internationale Meisterschaften statt. Europa hinkt der Entwicklung zwar noch etwas nach, aber dennoch begeistert BJJ immer mehr Europäer. Es gelang sogar schon diversen europäischen Athleten, auch in den BJJ Hochburgen Brasilien und USA, Erfolge zu feiern. |
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